Verkehr

Wie eine Kleinstadt ihren Nachtzug zurückbekam

Elf Jahre lang fuhr der letzte Zug um 21:40 Uhr. Dann unterschrieben 2.300 Menschen einen Brief, und ein Fahrplanbüro hörte zu.

Von Jonas Weber, Reporter

9. Okt. 20266 Min. Lesezeit

Als der späte Zug nach Wendel 2015 gestrichen wurde, war die Begründung einfach. Zu wenige fuhren mit, etwa vierzig an einem gewöhnlichen Abend.1 Niemand zählte, wie viele den Abendzug ganz mieden, weil sie danach nicht mehr nach Hause kamen.

Lena Brandt, die den Buchladen am Bahnhof führt, begann den Brief an einem Dienstag. Am Freitag hing er in elf Schaufenstern. Er war kurz und höflich und bat um eine einzige Sache, einen Zug um 23:10 Uhr an Werktagen.2

Was die Antwort änderte

Der Brief allein hätte es nicht geschafft. Geholfen hat eine Zählung, die die Stadt selbst machte. Sechs Wochen lang standen Freiwillige an der Haltestelle des Ersatztaxis und notierten jede Person, die nach einem späteren Zug fragte.3 Die Zahl, die sie dem Verkehrsverbund brachten, war 212 pro Abend.

Seit Juni fährt der Zug wieder. Er ist nicht voll, aber deutlich voller als mit den vierzig von 2015, und der Buchladen hat donnerstags jetzt bis acht geöffnet.

Anmerkungen

  1. 1

    Zahl des regionalen Verkehrsverbunds, Durchschnitt der Werktagabende 2014.

  2. 2

    Den Brief unterschrieben 2.318 Menschen. Wendel hat rund 9.400 Einwohner.

  3. 3

    Gezählt wurde vom 3. Februar bis 16. März 2025, montags bis freitags zwischen 21:30 und 23:30 Uhr.